Mensch, Menschen, Menschlichkeit

Was ist der Mensch? Eigentlich müssten wir es alle doch am besten wissen – schließlich sind wir Experten auf dem Gebiet. Und kommen doch zu so unterschiedlichen Antworten. Was ist der Mensch? Grönemeyer meint: Der Mensch heißt Mensch, weil er hofft, liebt, mitfühlt und vergibt, weil er lacht, weil er lebt.

Was macht mich zum Menschen? Die Fähigkeit zu denken? Wohl kaum, die Grenze wäre zu eng. Überhaupt irgendeine Fähigkeit? Oder doch die Tatsache, dass ich aussehe wie ein Mensch? Meine Seele? Aber wer wollte die beweisen? Mir hilft die Antwort des Theologen Dietrich Bonhoeffer: „Menschliches Leben ist von Menschen geborenes Leben.“ Menschsein heißt einfach erstmal: Da sein. Geboren werden. Existieren. Leben. Sterben. Das macht mich zum Menschen. Keine Fähigkeiten, keine Leistungen.

Was ist der Mensch? Was macht mich zum Menschen? Ich bin Mensch, weil ich von einer Mutter geboren wurde. Mehr ist es eigentlich nicht. Woher kommen dann all diese Trennungen zwischen Menschen, frage ich mich. Ich frage es mich besonders im Moment, wo die Gräben zwischen Menschen unterschiedlicher Herkunft und Religion immer tiefer gegraben werden. Mich erschrecken die Botschaften aus Amerika, auch die aus meinem eigenen Land. „America first“ – wie weit ist es von diesem Gedanken zu dem, dass amerikanische Menschen mehr wert sind, als andere? Das waren düstere Zeiten in unserer Menschheitsgeschichte, als Menschen dachten, sich über andere Menschen erheben zu können, weil sie anders aussehen, anders fühlen oder beten: Die Apartheid in Südafrika, die Verfolgung von Homosexuellen in vielen Ländern, die Zeit des Nationalsozialismus, die an Grausamkeit und Abgründigkeit durch nichts übertroffen ist.

Haben wir denn alle nichts gelernt, frage ich mich? Sehen wir denn nicht, wohin es führt, wenn Menschen denken (aus welchen Gründen auch immer), sie seien besser, wertvoller, schützens- und achtenswerter als andere Menschen? Es führt zu nichts Gutem, soviel ist sicher.

Ich glaube, wir alle sind Falschherumdenker. Wir sind Aus-der-falschen-Perspektive-Gucker, Defizitsucher. Wir sehen andere und sehen zuerst das, was an ihnen anders ist. Anderer Kleidungsstil, andere Hautfarbe, andere Ausdrucksweise oder Sprache. Wir suchen die Unterschiede mehr als die Gemeinsamkeiten. Ich habe mich selbst gefragt: Wann kam mir zum letzten Mal der Gedanke, als ich einen anderen Menschen getroffen habe – er oder sie ist wie ich. Ein Mensch.

Wir alle haben so viel gemeinsam. Das wichtigste, das uns alle verbindet: Wir sind Menschen. Davon sollten wir ausgehen. Und dann erstmal den Reichtum zur Kenntnis nehmen, mit dem wir als Menschen in unserer Verschiedenheit gesegnet sind. Wie langweilig wäre die Welt, wenn wir alle gleich wären? Wie wenig gäbe es zu entdecken? Auch über mich in Abgrenzung zu anderen? Was für eine popelige Welt, wenn sie alle so wären wie ich.

Gestern bin ich im Internet auf ein Video gestoßen, das mich auf diesen Gedanken gebracht hat. Zuerst nach dem zu schauen, was verbindet – trotz aller so offensichtlichen Verschiedenheit. Mitten zwischen Abspülen und Lernen hat mich dieses Video zu Tränen gerührt. Warum? Weil es mir so deutlich vor Augen geführt hat, was ich und was wir als Menschen verlernen: Zu suchen, was uns verbindet. In unserem Menschsein.

Advertisements

2 Gedanken zu “Mensch, Menschen, Menschlichkeit

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s