Mit dem falschen Fuß…

Es gibt Tage, da sollte man besser im Bett bleiben. Tage wie dieser. Um 6.10 heute morgen hat mich die Müllabfuhr vor der Haustür geweckt. Schnell unter die Dusche – Handtuch vergessen. Der erste Schluck Kaffee landet nicht im Mund, sondern auf der frischgewaschenen Bluse. Herrje! Auf dem Weg ins Büro so eine blöde Autofahrerin, die mich mit dem Rad nicht durchlässt. Lange Diskussion. Ich bin spät dran. Auf dem Weg in die Schule dann reiße ich mir ein Loch in die neue Hose! Kopf gestoßen beim Fahrrad anschließen. Das reicht erstmal, würde man meinen. Aber es kommt noch besser. Nach der Schule rase ich nach Hause, mittlerweile regnet es in Strömen, und treffe auf eine Wohnung, die wie vom Blitz getroffen aussieht. Spülmaschine offen, die Wäsche liegt noch auf dem Sofa wie am Morgen. Ist mein Freund mal wieder nicht in die Puschen gekommen heute morgen, denke ich. Ich merke wie ich kurz vorm Explodieren bin. Schon will ich mir einen Zettel nehmen und wutentbrannt losschreiben: Du faules Ei, räum hier mal auf!!!!!!!!! Da fällt mein Blick auf den Adventskalender. Ich habe dieses Jahr einen von „anderezeiten“ – es ist ein Kalender aus lauter schönen Texten. Heute geht es – wie passend – um schlechte Laune. Ha! denke ich und lese. Die Autorin erzählt von ihrer wunderbaren Oma, die alles duldete. Außer schlechter Laune. Bei schlechter Laune wurde man einfach vor die Tür geschickt. „Geh erstmal eine Runde spielen!“ Und wenn man dann nach 3 Stunden toben und spielen mit glühenden Wangen wieder ins Haus kam, hatte man den Grund für die schlechte Laune schon vergessen. Schlechte Laune, so schreibt die Autorin, hielt ihre Großmutter für unhöflich. Das was einen selbst zwickt und zwackt an anderen auslassen.

Ich bemerke ein kleines schuldbewusstes Gefühl in der Magengegend. Gut, dass ich den Zettel noch nicht geschrieben habe. Also versuch ich’s mal, denke ich. Raus mit dir. Ich werfe mich kurzerhand selbst raus. In den Regen. Mit Laufschuhen. Im Stechschritt stampfe ich den Weg in die Weinberge hoch. So richtig ist sie noch nicht verflogen, meine schlechte Laune. Ich jogge los. Und je länger der nasskalte Wind mir um die Nase weht, je mehr Schritte ich zurücklege desto ruhiger werde ich. Es scheint doch etwas dran zu sein an dieser Geschichte. Irgendwann ist es ganz still in meinem Kopf. Ich genieße das Geräusch des knirschenden Schotters unter den Schuhen, die Regentropfen, die auf mein erhitztes Gesicht platschen. Und als ich vor der Haustür stehe: Ja, tatsächlich, sie ist weg. Keine schlechte Laune, weit und breit.

Das scheint ein guter Plan zu sein. Sich einfach mal rauszuwerfen. An die frische Luft.  Die schlechte Laune abschütteln. Ihr davonlaufen. Gehen. Walken. Fahren. Was auch immer einem da beliebt. Statt einem wütenden Zettel, einem wütenden Freund und einer miesepetrigen Dame des Hauses gibt es jetzt Schinkenbrötchen. Sowieso viel besser als sich zu ärgern oder die miese Laune an anderen auszulassen. Die Wäsche räume ich weg. Und schreibe noch schnell dem Freund Bescheid: Es gibt Schinkenbrötchen. Und du darfst nachher noch saugen. Ich sollte mich öfter mal rauswerfen!

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