Ich packe meinen Koffer…

Ich packe meinen Koffer…denn ich fliege in den Urlaub. Kofferpacken kann ich nicht so gut. Ich bin so der Typ, der immer viel zu viel einpackt. Das könnte ich ja noch gebrauchen, ach und falls es regnet noch die Jacke und wenn ich mal laufen gehen will vielleicht auch noch Turnschuhe und eine Sporthose. Der Koffer sieht vorher immer so riesig aus und hinterher muss ich mich noch draufsetzen damit er zugeht. Und wenn die Reise vorbei ist, ärgere ich mich, dass ich so viel unnützes Zeug mit mir herumgeschleppt habe. Wenn es nur in einem Koffer ist, mag das ja noch gehen – aber schlepp so viel Kram mal auf dem Rücken mit dir herum. Das macht keinen Spaß.

Als ich vor einigen Jahren auf dem Jakobsweg unterwegs war, musste ich das schmerzlich erleben. Ich hatte einfach zu viel dabei. Zeug, das man nicht braucht. Und damit habe ich die Pyrenäen überquert. Angekommen bin ich auf der spanischen Seite mit einer fiesen Achillessehenentzündung. Und der Kommentar von meinem Arzt: Was schleppen Sie denn auch so viel Zeug mit sich herum?

Wer zu viel im Gepäck hat, wird irgendwann krank. Das ist wohl so. Nicht nur beim Wandern. Wenn ich zu viele Gedanken und Sorgen mit mir herumschleppe, dann kann ich irgendwann nicht mehr. Dann wird es zu schwer. Ich kann mich noch mit Mühe und Not von A nach B schleppen, aber frei gehen und leben kann ich nicht mehr. Ich bewundere da immer meinen Freund. Der macht es genau richtig. Der hat zwar auch mal seine Gedanken und Sorgen hier und da, aber er schafft es, dass sie nicht so schwer werden. Hält zwischendurch immer mal an und räumt den ganzen Kram einfach raus. Damit es wieder leichter wird. Das ist sein Geheimrezept zum Leben vermute ich. Wie er das genau macht, habe ich allerdings noch nicht herausgefunden.

Meistens muss es einmal so richtig wehtun, bis man merkt, dass man so nicht weitergehen kann. Bevor man merkt, dass man etwas ausladen muss, aus dem Lebensrucksack, versucht man doch immer noch, weiterzukommen. Kriecht zur Not noch auf allen vieren den Berg hoch. Bis es dann nicht mehr geht. Totale Erschöpfung. Und dann braucht man eine lange Erholungspause, bevor man wieder weiterlaufen kann. Die muss man sich gönnen, wenn man nicht weitermachen will, wie vorher. Wenn man Glück hat, lernt man dann, wie man auch mit weniger im Gepäck durchs Leben kommt. Und dass man öfter mal Pausen einlegen muss, um fit zu bleiben. Man ist schließlich kein Rennpferd und selbst die brauchen ab und zu mal ein Päuschen.

Diese Gedanken kamen mir heute Morgen beim Kofferpacken. Und ich habe wieder Sachen ausgepackt. Ich fliege in den Süden, da wird es dreißig Grad sein und ich hoffe eigentlich sogar, dass ich außer einem Bikini und ein paar T-Shirts gar nichts brauchen werde. Jetzt hab‘ ich nur ein paar Flip-Flops im Koffer. Zwei Röcke eingepackt statt vier. Jetzt ist sogar noch Platz für ein Buch. Und den Fotoappart. Ich muss mich nicht draufsetzen auf den Koffer, damit er zugeht. Und er ist leichter. Ich weiß schon – im Leben ist das nicht so einfach, wie beim Kofferpacken. Aber man kann ja wenigstens mal reinschauen in den Rucksack, was so alles drin ist. Und ob man wirklich alles davon mit durchs Leben tragen möchte. Und wenn nicht, dann darf man auch den Mut haben es auszupacken. Nochmal anschauen und weglegen. Und vermutlich wird man schon bald feststellen, wie schön es ist, mit weniger Gepäck unterwegs zu sein.

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2 Gedanken zu “Ich packe meinen Koffer…

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