Zum ersten Mal

Ich melde mich zurück! In den letzten Wochen habe ich sozusagen eine kreative Pause eingelegt. Das hängt mit diesen vielen Dingen zusammen, die man im Vikariat zum ersten Mal macht. Meine erste Beerdigung. Mein erster Gottesdienst. Mein erster Schulgottesdienst. Meine ersten Geburtstagsbesuche. Ich könnte noch ein bisschen so weiter machen… Alle diese ersten Dinge sind aufregend und unheimlich kräftezehrend. Ich gehöre nämlich zu diesen Menschen, die immer alles gern so richtig gut machen möchten. Und das kostet dann viel Arbeit. Literatur als Vorbereitung lesen, eigene Texte schreiben und dann die Checkliste am besten noch dreimal durchgehen. Hab‘ ich alles? Das ist sogar für mein Dauerlauf-erprobtes-Hirn manchmal einfach zu viel.

Aber sie sind schön diese Dinge, die man zum ersten Mal macht. Und ich glaube, dass das nicht nur mir so geht. Sondern allen Menschen, die etwas ganz neu für sich entdecken. Das kann der erste Kuss sein, mit 15 hinter dem Kirmeszelt. Oder der erste Vortrag in der neuen Firma. Das erste Projekt, das man alleine abgeschlossen hat. Die erste 1,0 im Studium. Es kann auch das erste Mal sein, dass etwas nicht klappt. Das erste Verlassenwerden. Die erste 5 in Mathe. Alle diese ersten Dinge haben etwas gemeinsam: Sie sind ganz schön ungewiss. Sie sind neu. Ich habe keine Erfahrungen, auf die ich zurückgreifen kann. Und das ist ziemlich anstrengend. Man muss sich den Fahrplan für das eigene Verhalten erst erstellen. Man greift nicht auf Bekanntes zurück – und das ist natürlich anstrengend, ob es nun positive oder negative erste Erfahrungen sind.

Aber das Tolle: Beim nächsten Mal ist es nicht mehr so ganz neu. Es gibt eine Erfahrung auf die ich zurückgreifen kann. Beim nächsten Mal ist es schon das zweite Mal. Da stehe ich nicht mehr wie der Ochs vorm Berg, weil ich nicht genau weiß, was mich erwarten wird.

Meine ersten Erfahrungen im Vikariat sind wirklich spannend. Und ich entdecke, dass es vieles gibt, was ich gut kann. Ich habe auch Dinge entdeckt, an denen ich noch viel üben muss. Mund auf beim Sprechen – das ist so eine Sache. Aber das kann man ja lernen. Vor allem aber habe ich erlebt, dass ich meinen Weg gefunden habe. Meinen ersten Gottesdienst zu machen, ganz allein, das war eine tolle Erfahrung. Auch, wenn ich so aufgeregt war, dass ich vorher keinen Bissen runtergekriegt habe. Aber hinterher hat jemand zu mir gesagt: Als sie da standen, da hat man richtig gemerkt: Sie sind angekommen. Sie wollen genau da sein.

Durch erste Erfahrungen müssen wir alle durch. Manchmal hilft es, die Hürden etwas abzubauen. Dann springt es sich leichter. Sich zu sagen: Das ist das erste Mal. Und wenn ich einen Fehler mache, dann ist das nicht schlimm. Ich muss es erst noch lernen. Und wie heißt es so schön: Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen. Die Erfahrung, etwas zum ersten Mal zu erleben, wird sich einprägen. Egal ob es gute oder schlechte Erfahrungen sind. Wir wachsen daran. Werden stärker und selbstsicherer. Wenn wir uns trauen, eine zweite Erfahrung dranzuhängen. Und eine dritte…

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Ein Gedanke zu “Zum ersten Mal

  1. Als ich das las, musste ich nun doch ein wenig schmunzeln. Ja, es stimmt natürlich, dass die ersten Erfahrungen aufregend neu sind. Aber du wirst merken, dass es auch beim soundsovielten mal immer wieder neu sein kann und hoffentlich immer wieder neu ist. denn sonst wirds Routine – mit der Gefahr, dass es bei den Adressaten nicht mehr richtig ankommen kann.
    Und eines Tages (zumindest habe ich diese Erfahrung gemacht und das ist dann auch der Grund meines Schmunzelns) ist es bei all diesen Dingen das letzte mal, dass man sie zu tun hat. Und glaub mir, das ist dann unter Umständen genauso aufregend wie beim ersten mal – mit Freude darüber verbunden, dass man es so oft gut gemacht hat, mit Unzufriedenheit darüber, dass man manchmal auch versagt hat – und schließlich auch mit Wehmut, weil es das letzte mal ist.
    Ich wünsch dir viele gute erste, zweite, dritte und so weiter Erfahrungen!

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