Gelassen werden

Vor ein paar Wochen, da habe ich mich so richtig geärgert. Das kommt nicht oft vor, eigentlich bin ich kein besonders ärgerlicher Mensch. Aber da konnte ich nicht anders. Ich habe mich so sehr geärgert, bis mir richtig übel war. Bis ich das Gefühl hatte, dass meine Zähne zusammengeklebt sind, weil ich so fest aufeinanderbeiße. Und draußen: Schönstes Sommerwetter. Das ich eigentlich genießen könnte. Würde ich mich nicht so sehr ärgern.

Ich vermute mal, dass bis hierhin jeder mitkommen konnte. Ärger ist ein Gefühl, das wohl allen bekannt ist. Mal mehr, mal weniger. Das Problem am Ärger ist für mich immer, dass er so völlig nutzlos ist. Denn egal wie sehr ich mich ärgere, es ändert nichts. Ärger hilft nicht. Schadet eher. Und zwar nur mir selbst. Meiner Stimmung und meinem Lebensgefühl. Und trotzdem, so oft ich es mir auch vornehme, gelassen zu bleiben, es funktioniert einfach nicht immer.

Wo ich mich ärgere, da betrifft mich meistens etwas ganz persönlich. Mich greift etwas an, nagt an mir oder geht mir schlicht und einfach gegen den Strich, wie man so schön sagt. Dieses Sprichwort benutzt das Bild von Haaren, die gegen die natürliche Wuchsrichtung gekämmt werden. Wer das mal bei seiner Katze versucht hat, ist sicher nicht ohne den ein oder anderen Kratzer davongekommen. Was mich ärgert, tut weh. Und der Ärger an sich auch.

Ich habe mir für die nächste Situation vorgenommen, den Ärger nicht mehr so groß werden zu lassen. Auch, wenn das ganz schön schwierig ist. Ich frage mich, was mich an dieser Situation eigentlich so ärgerlich macht. Und ob es nicht etwas gibt, was ich dagegen tun kann. Und dann gibt es natürlich noch Ventile gegen Ärger. Für die einen ist das die voll aufgedrehte Stereoanlage aus der mir ACDC „Highway to hell“ oder etwas anderes Nettes entgegenschreien. Die anderen lenken sich ab durch malen, spazieren gehen oder reden darüber. Ich gehe laufen. Alles, was mich ärgert, habe ich dabei nach spätestens 15 Minuten hinter mir gelassen.

Und hier liegt für mich des Rätsels Lösung: Gelassener werden. Gelassen – darin steckt „lassen“. Die Sachen einfach sein lassen. Schief gelaufen – ist so. Loslassen. Mich nicht darin verbeißen. Nicht festhalten und immer wieder aufwärmen, was mich hier so ärgert. Es lassen. Und so gelassener werden. Mir hilft manchmal auch, es abzugeben. Im Gebet zum Beispiel. So kann ich Sachen auch loslassen. Und Dampf ablassen. Dann geht’s mir meistens schon viel besser.

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Ein Gedanke zu “Gelassen werden

  1. Hallo Vera,
    Wer kennt solche Situationen nicht…
    Gut, wennman Methodenkennt, die einem dann weiter helfen.
    Mir hat ein Büchleien vonPiierre Stutz da auch gute Anregungen gegeben:
    Pierre Stutz: Meditationen zum Gelassenwerden (Verlag Herder 2001)
    Gruß
    w.

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