Wann ist ein Mann ein Mann?

In meinem Email Postfach kommen ständig Spams und Werbung rein. Gestern hat mich wieder so eine Mail erreicht mit Werbung für irgendwelche Männerprodukte. Warum das jetzt ausgerechnet bei mir landet ist da wirklich fraglich. Jedenfalls stand als Überschrift in dieser Mail: Wann ist ein Mann ein Mann? Viel weiter habe ich gar nicht gelesen, sondern gleich auf den Mülleimer gedrückt. Weg war sie.

Wann ist ein Mann ein Mann? Ja, das habe ich mich dann aber doch gefragt, nachdem ich den Laptop wieder zugeklappt hatte. Und mir fiel auf, dass ich an diesem Tag die Männer in meiner Umgebung ganz besonders wahrgenommen habe. Und vor allem: Wie unterschiedlich sie doch alle sind. Der eine hoch gewachsen, der andere eher klein. Dicke Männer, dünne Männer und auch völlig unscheinbare. Beim Joggen habe ich einige ziemlich sportliche Männer entdeckt, kluge Männer bei einem Vortrag. Männer mit Bart, Männer ohne Bart. Männer mit Hemd oder T-Shirt, mit Piercing oder Halskette, Männer mit Sandalen und Socken in den Sandalen.

Wann ist ein Mann ein Mann? Dass das an dieser Stelle natürlich keine biologische Frage ist, dürfte klar sein. Da weiß auch ich sehr genau, was einen Mann zu einem Mann macht. Aber die Frage reicht ja weiter: In unserer Gesellschaft ist ein Mann, ein echter Kerl, wie wir sagen, einer, der immer stark ist. Machogehabe und die Fähigkeit, die eigene Familie zu ernähren machen einen Mann scheinbar aus. Männer haben’s schwer, nehmen’s leicht. Außen hart und innen ganz weich. Der Meinung ist jedenfalls Grönemeyer.

Mir kam ein Gedanke: Wenn ich einmal einen Sohn bekommen sollte, dann möchte ich ihm nicht dieses Männerbild vermitteln. Ein Mann, der immer stark sein muss. Ein Mann der alleine Verantwortung trägt. Das finde ich falsch. Was einen Mann für mich zum Mann macht, ist ganz verschieden. Zunächst einfach mal die biologische Zugehörigkeit. Und der Rest? Ja, der ist wohl bei Männern so verschieden wie bei uns Frauen auch. Und da ist es quatsch zu fragen, ob es bestimmte Eigenschaften und Merkmale sind, die jemanden besonders männlich machen. Genausowenig wie eine Frau eine Frau ist, wenn sie sich die Nägel lackiert, lange Haare hat oder zu zweit zur Toilette geht. Das sind Rollenklischees, die wir meiner Meinung nach dringend überdenken müssen. Für mich gibt es jedenfalls keine Eigenschaften und Merkmale, die einen Mann mehr oder weniger Mann sein lassen.

Mein Vater zum Beispiel, der ist ein toller Mann für mich. Steht mit beiden Füßen im Leben und ist immer für seine Familie da. Er trägt die Verantwortung nicht alleine, aber er zeigt uns: Wenns drauf ankommt, reiße ich mir Arme und Beine für euch aus. Mein Vater ist kein gefühlsduseliger Mensch, nach außen eher ein bisschen kratzbürstig. Aber wenn man ihn richtig kennt, weiß man, dass er viele Gefühle in sich hat. Und er hat keine Angst, sie zu zeigen.

Ich denke, jeder kennt solche tollen Männer. Sie fallen nicht auf durch bestimmte äußere Merkmale. Sie fallen auf, durch ihren Charakter. Durch Ehrlichkeit und Respekt, durch Lebenserfahrung und Mut. Sie fallen auf durch ihre Klugheit oder Einfühlsamkeit. Auf eine spannende Spur führt hier die Sprache des Alten Testaments im Schöpfungsbericht. Denn am Anfang schuf Gott nicht den Mann, sondern den Menschen. Das ist uns allen gemeinsam. Wir sind zuerst und in erster Linie Menschen. Erst dann kommt die Unterscheidung in Mann und in Frau. Bestimmte biologische Merkmale unterscheiden uns voneinander, doch was uns auszeichnet sind Eigenschaften, die wir als Menschen miteinander teilen.

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