Träume

Wenn in meinem Leben viel los ist, dann träume ich nachts. Meistens ziemlich wirres Zeug. Da kann es schon passieren, dass ich in einer Nacht von einem Traum in den nächsten stolpere, so kommt es mir jedenfalls vor. Wenn ich mir am Tag nicht genügend Zeit lasse, Erlebtes zu verarbeiten, dann geht mein Gehirn nachts nochmal ran. Irgendwo muss es ja schließlich hin mit den all den Eindrücken und Informationen. Ich denke machmal, dass ich sonst überlaufen müsste irgendwann. Dass mein Unterbewusstsein ganz intuitiv reagiert und Platz schafft für Neues. Und da sage noch einer Träume sind Schäume!

In der letzten Woche habe ich in den Briefen von Dietrich Bonhoeffer eine Passage entdeckt, in der auch er über das Träumen schreibt. Er ist seit drei Wochen in Berlin inhaftiert und hat kaum Kontakt zu seiner Familie und seinen Freunden. Zur Außenwelt überhaupt. Bonhoeffer schreibt: Ich gehe gern um 8 Uhr schlafen – Abendbrot gibt es um 4 Uhr! – und freue mich auf meine Träume. Ich habe früher garnicht gewusst, was für eine glückliche Gabe das ist: ich träume täglich und eigentlich immer schön. Bis zum Einschlafen sage ich mir die über den Tag gelernten Verse auf, am Morgen um 6 Uhr freue ich mich darin, Psalmen und Lieder zu lesen und an Euch alle zu denken und zu wissen, dass Ihr auch an mich denkt.

Seine Träume sind für ihn die Flucht aus den Mauern des Gefängnisses. Im Traum ist er frei, führt ihn sein Unterbewusstsein an Orte und zu Menschen, die er am Tag nicht mehr erreichen kann. Was für ein Segen! Ich kann mir vorstellen, dass nicht nur für Bonhoeffer in seiner Situation im Gefängnis das Träumen ein Segen war. Träume helfen mir, die Dinge meines Lebens zu verarbeiten. Manchmal übernehmen sie einfach den Sortierprozess für mein Gehirn, dann habe ich den Eindruck, dass es nachts den Datenspeicher füllt mit all den Informationen, die am Tag auf mich eingeströmt sind. Manchmal aber machen mich meine Träume auch darauf aufmerksam, dass etwas nicht stimmt. Dass ich aus der Balance gekommen bin und an meinem Leben am Tag etwas ändern muss. Träume zeigen mir die Bilder, die ich vor mir verschließe und zwingen mich so, Dinge meines Lebens aufzuarbeiten.

Manchmal passiert es mir auch am Tag, dass ich wegträume. Ganz unbewusst, während eines Vortrags oder auch bewusst, wenn ich mich ausruhe und mich von schöner Musik oder Gedichten an „Traumorte“ führen lasse. Diese Tagträume sind für mich wie eine kleine Insel, auf der ich mich ausruhe, Kraft tanke und dann wieder in die Realität zurückkehre. Oder wie Bonhoeffer schreibt: „Ich träume zum Himmel hinauf und träume ihn mir herunter, bis ich ganz genau weiß, wie es ist, dies und das, und wie es einmal für uns beide sein wird: Heaven on earth.“

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