Es ist, was es ist

Irland hat es getan. Jetzt auch die USA. Es ist ein klares Ja für mehr Freiheit und Menschlichkeit in der Welt. Ja zur Liebe zwischen Menschen, die nicht nach dem Geschlecht fragt. Und längst überfällig, meiner Meinung nach. Ich hoffe, dass die deutsche Politik, die sich vor einer Entscheidung drückt, beschämt nach Amerika geschaut hat, als dort die Entscheidung des obersten Gerichtshofes bekannt wurde. Und ich hoffe, dass das Ja dieser beiden Länder zur Ehe von Homosexuellen Deutschland unter Druck setzt. Damit sich auch hier etwas bewegt. Ich wünsche mir, dass die Politik gezwungen wird, endlich eine Antwort auf die drängende Frage zu geben, vor der sie sich drückt: Dürfen auch in unserem Land bald alle heiraten? Das wäre ein wahrer Grund zur Freude!

Denn wenn Menschen sich lieben, ist das ein Grund zur Freude. Und wenn Menschen sich heute noch dafür entscheiden, ihr ganzes Leben miteinander zu teilen, dann ist das erst Recht bemerkenswert. Wenn Menschen bereit sind, sich festzulegen, Verantwortung füreinander zu übernehmen und Freude und Leid zu teilen, nicht wegzulaufen, wenn es ernst wird. Heute, wo uns alle Möglichkeiten offenstehen, wir uns eigentlich nicht entscheiden, nicht beschränken wollen – und wenn es schwierig wird lieber weiterziehen. Liebe kennt die Grenzen nicht, die wir in unseren Köpfen tragen. Sie ist, was sie ist – so formulierte es Erich Fried bereits in einm seiner berühmtesten Gedichte über die Liebe.

Dass die Entscheidung, die in den USA gefällt wurde, weltweit so viel Aufsehen erregt, ist für mich ein gutes Zeichen. Auf Facebook erscheinen gerade überall Profilbilder in Regenbogenfarben, selbst Google springt auf den Zug auf. Man mag das übertrieben finden, aber diese öffentlichen Solidaritätsbekundungen sind wichtig. Sie zeigen, dass sich die Menschen nach mehr Gleichberechtigung und Menschlichkeit sehnen. Dass sie die Grenzziehungen, die Religion und Politik aufrechterhalten, nicht mehr länger mittragen. Und je mehr Menschen sich einreihen, desto größer und lauter wird die Stimme derer, die sich dafür einsetzen, dass Menschen nicht mehr aufgrund ihres Geschlechts und ihrer Wahl des Partners verurteilt werden.

Ich freue mich wirklich sehr über diese Entwicklung. Und ich wünsche mir, dass sich auch in Deutschland etwas verändert. Dass Politik und auch die Kirche sich bewegen. In der evangelischen Kirche gibt es bereits eine Segnung von homosexuellen Paaren. Gottes Segen soll keinem Menschen für seinen Lebensweg verwehrt bleiben. Ein wertvolles Zeichen. Warum aber nicht noch einen Schritt weitergehen? Diejenigen, die aus der Bibel Argumente gegen Homosexualität ableiten, sind auf einem Irrweg. Die einzelnen Aussagen müssen im Kontext ihrer Zeit gelesen werden, im Kontext von dem, was Menschen damals wussten und verstehen konnten. Wenn ich aber mit Luther die Bibel auf ihre Mitte nämlich auf Jesus Christus und seine gute Botschaft hin lese und verstehe, dann muss ich sagen: Jesus hat die Menschen in ihrer Einzigartigkeit bestärkt. Er ist gerade für die eingetreten, die von der Gesellschaft ausgeschlossen wurden. Denn er hat sie als Menschen angesehen. Und das sollten wir auch tun.

Für mich steht die Ehe den Menschen offen, die Verantwortung füreinander übernehmen wollen. Menschen, die sich lieben und achten, die einander vertrauen und füreinander da sind. Egal ob Mann und Frau oder Frau und Frau oder Mann und Mann. Ich wünsche mir sehr, dass auch meine Kirche sich für diese Vorstellung öffnet. Dass sie allen Liebenden einen gemeinsamen Weg öffnet: Als Ehepaar, unter dem Versprechen, immer füreinander da zu sein, einen Weg unter dem Segen Gottes zu gehen. Eines menschfreundlichen Gottes. Lassen wir uns das durch die Jahreslosung dieses Jahr gesagt sein: Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zum Lobe Gottes. Keine Unterschiede mehr machen. Und ernstnehmen: Es ist, was es ist. Sagt die Liebe.

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