Frei sein

Als ich am Montagabend durch das Fernsehprogramm gezappt habe, bin ich auf eine spannende Sendung über eine junge Türkin gestoßen. Anlässlich des Ramadan sendet der BR scheinbar ein paar Sondersendungen, die sich mit dem Leben und Glauben von Muslimen beschäftigen. Die junge Frau, um die es ging, war in ihrem Leben auf der Suche. Sie probierte vieles aus, spielte in einer Band, heirartete früh, ließ sich scheiden und fand irgendwann später dann zum Kopftuch. Das legte sie nach einigen Jahren wieder ab. Eine spannende Geschichte über Leben und Glauben. Der Vater der jungen Frau hat ihre Entwicklung mit Kopfzerbrechen beobachtet. Als sie noch jünger war gab er ihr einen Satz mit auf den Weg, den sie erst viel später verstanden hat: Die Freiheit, die du suchst, ist nicht da draußen. Einer der zentralen Sätze und Einsichten dieser Sendung für mich.

Die Freiheit, die du suchst, ist nicht da draußen. Als junger Mensch ist man auf der Suche. Wer bin ich? Wer will ich sein?  Alles tun und lassen dürfen, das ist Freiheit. Grenzen überschreiten, ans eigene Limit gehen. Provozieren mit dem Körper und auch den an seine Grenzen führen. Sicher, das alles hat mit Freiheit zu tun. Jedenfalls manchmal. Aber ich erlebe immer häufiger, dass das nicht immer der Fall ist. Es ist mehr ein verzweifeltes Suchen nach dem, der ich bin und zugleich der Wunsch, zu sein, wie die anderen, angepasst, nicht auffallen und „cool“ sein. Das ist keine Freiheit, wenn man genau hinsieht.

Die Freiheit, die du suchst, ist nicht da draußen. Sie ist in dir. Von innen her muss ich frei sein, um frei leben zu können. Das klingt einfach, nicht? Ist aber sau schwer, das ist jedenfalls meine Erfahrung. Innere Freiheit hat viel mit Mut zu tun. Ich traue mich, nur auf mich zu blicken. Ich frage mich wirklich: Wer will ich sein? Und lasse alle Fragen danach, was andere von mir erwarten beiseite. Ich sehe mich an, wie ich bin. Lasse Schwäche zu. Auch die macht mich aus. Die Quelle der inneren Freiheit wird für viele unterschiedlich sein. Sie liegt vielleicht in einer Erfahrung meiner eigenen Stärke oder in einem Erlebnis, das alles auf den Kopf stellt. Ich erfahre meine Freiheit aus meinem Glauben. Nicht nur, aber auch. Die Bibel ist für mich voller Geschichten von innerer Freiheit. Die Geschichte von Jakobs Kampf am Jabbok, der um seine Freiheit kämpft und am Ende mit einem neuen Namen daraus hervorgeht.

Die Freiheit, die du suchst, findest du in dir. Es ist ein langer Weg dahin. Und jeder muss seinen eigenen finden. Aber wenn man einmal erlebt hat, was es heißt, wirklich frei zu sein, unabhängig von dem, was andere fordern und erwarten, will man nie mehr hinter diese Erfahrung zurück. Gestern habe ich mit den Konfirmanden die Geschichte von der Heilung des Blinden Bartimäus besprochen. Und am Ende stand der Satz: „Wer glaubt, kann alles!“ Man könnte auch sagen: „Wer vertraut, kann alles!“ Und eine Konfirmandin hat es wunderbar zusammengefasst: Egal, was kommt, dann kann einen nichts mehr umwerfen. Man gibt nie die Hoffnung auf, weil man eine Kraft in sich hat, die einen stark macht. Und auch, wenn etwas schief geht weiß man: Ich schaffe das!

Das ist Freiheit.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s