Es beginnt mit einem glücklichen Zufall…

Am Montag habe ich meine Lieblingsunterhose wiedergefunden. Keine Angst, jetzt kommt keine verrückte Geschichte über Unterhosen oder andere höchst fragwürdige Dinge. Aber das mit der Unterhose ist schon wichtig, deshalb erzähle ich es. Letztes Jahr bin ich nämlich umgezogen, kurz vor meinem Vikariat. Und kurz vor dem Umzug hatte ich noch eine Maschine Wäsche angestellt, Bettwäsche und so weiter. Und diese Bettwäsche habe ich jetzt seit fast einem Jahr nicht benutzt, weil ich sie beim Einräumen ganz nach unten in den Schrank gelegt hatte. Als ich dann am Montag das Bett neu bezogen habe und mir dachte, wie schön es doch wäre, diese spezielle Bettwäsche mal wieder zu nehmen, habe ich sie gefunden. Meine Lieblingsunterhose. Ein Traum. Ich dachte ja, ich hätte sie verloren.

Das war super, weil ich am Dienstag nämlich meine erste Prüfung im Vikariat hatte. Und da konnte ich dann gleich diese Lieblingsunterhose anziehen, weil ich dem Aberglauben anhänge, dass sie mir vielleicht Glück bringt. Hat sie auch. Die Prüfung lief super, so super, dass ich mich dann diese Woche mit einem Einkauf und tollen neuen Schuhen belohnen konnte. Ich habe eine tolle Woche verbracht, alles lief zu meiner vollsten Zufriedenheit. Und alles begann mit der Unterhose. Oder der Bettwäsche. Wie auch immer, so genau wollen wir es jetzt nicht nehmen.Jedenfalls war das alles eine Verkettung wunderbarer Zufälle – könnte man meinen.

Aber manchmal kommt es einem fast so vor, als ob Dinge geschehen, die genauso geschehen sollen. Doch kein Zufall? Alles Schicksal? Immerhin hätte ich mir ja auch die Bibi Blocksberg Bettwäsche aussuchen können beim Betten beziehen – aber nein, das habe ich nicht. Alles führte zur Lieblingsunterhose, zur guten Prüfung und zur schönsten und entspanntesten Woche seit langem. Mein Freund würde an dieser Stelle sagen, dass man hier wieder wunderbar sehen kann, wie verrückt mein Gehirn ist. Das neigt häufig zu solchen Kettenreaktionen und lässt sich dann nicht mehr aufhalten. Aber ich meine hier ein ganz bestimmtes Gefühl, das sicherlich noch mehr Menschen als nur ich aus ihrem Leben kennen: Etwas geschieht und ich habe den Eindruck, dass es gar nicht anders hätte geschehen können. Dass es so sein soll, so drücken wir uns da manchmal aus. Dieses Gefühl beschreiben auch solche Menschen, die sich sonst gar nicht mit spirituellen Dingen auseinandersetzen, die gegenüber dem Glauben an etwas, das man nicht sehen kann, eher ein oder zwei Augenbrauen hochziehen. Und doch nehmen wir manchmal an, dass Dinge aus einem bestimmten Grund geschehen. Und nennen es dann Schicksal oder geben der Sache einen ganz anderen Namen.

Ich persönlich glaube ja, dass in diesem Gefühl etwas von der Hoffnung jedes Menschen zum Vorschein kommt, dass sich nicht alles in der Welt durch rationales Nachdenken erklären lässt. Etwas von der verborgenen Sehnsucht nach „Mehr“, was auch immer dieses Mehr sein mag. Ich sehe darin die Hoffnung auf etwas, wie eine gute Macht, die unser Leben umgibt und durchströmt und manchmal hell aufleuchtet. Ich glaube nicht, dass Gott so ein Knopfdrücker-Gott ist. Der auf einen Knopf drückt und es bewegt sich etwas in der Welt. Der mich am Ende die lange verschollene Lieblingsunterhose finden lässt. Aber – und das ist doch so – ich versuche aufmerksam zu sein für Sinn im Leben. Empfindsam für Gutes, das mir widerfährt. Ob das nun eine Verkettung glücklicher Zustände war, die zu dieser wunderschönen Woche geführt haben oder nicht – ich empfinde Dankbarkeit. Auch, wenn Gott vordergründig überhaupt nichts damit zu tun hat. Und doch ist es eine bestimmte Lebenshaltung, Dinge als gut und „sinnvoll“ zu erleben. Diese Lebenshaltung wurzelt für mich im Glauben, in dem meine Hoffnung auf letzte Unerklärlichkeiten und einen Mehrwert an Leben ihren Ort haben. Und im kleinen Guten, das ich erlebe, scheint für mich etwas von der großen Güte hindurch, die mein ganzes Leben durchzieht. Und dass ich dann noch sagen kann: Alles begann mit einer Unterhose… macht die Sache wirklich noch besser!

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