Alles, was ich wissen kann

Mein letzter Beitrag war am Karfreitag. Danach erstmal Pause. Stille. Und keine Osterbotschaft. Das hat zwei Gründe: Ich war über Ostern an einem Ort, an dem es kein Internet gab. Kaum vorzustellen, aber wahr, es gibt solche Orte – meiner nennt sich Oma. Da war nicht viel los mit Internet. Der andere Grund ist der, dass es mir dieses Jahr schwerfällt, eine Auferstehungsbotschaft zu formulieren. Manchmal ist das vielleicht so. Ich habe wirklich um eine Antwort auf die Frage nach Auferstehung gerungen. Habe meine Ohren in den Osterpredigten aufgesperrt, aber bin leider leer ausgegangen. Ohne inspirierende Bilder und Antworten auf meine Fragen, die mich wirklich beflügelt hätten. Das hat mich erstmal traurig gemacht. Wenn man schon in der Kirche keine Antworten auf diese Fragen findet, wo dann?

Mit besagter Oma hatte ich auch ein langes Gespräch über Auferstehung. Meine. Deine. Ihre. Den einzelnen treiben da viele Fragen um. Spielt es eigentlich eine Rolle, ob ich eine Erdbestattung habe oder verbrannt werde? Kann ich auferstehen, wenn ich mich verbrennen lasse? Wie kann ich mir sicher sein? Was passiert mit mir? Wovon soll ich eigentlich reden, von Seele, Geist oder habe ich andere Worte? Und wenn doch alles duster bleibt und nichts passiert? Das Ende sozusagen. Und ob Jesus wirklich auferstanden ist? Also so richtig? Das sind viele Fragen und wir haben miteinander um Antworten gerungen. Schwer war das.

Ich fand es selbst schwer, einen meiner Antwortversuche zu wagen. So ohne einen richtigen Ansatz. Was soll da am Ende rauskommen, als leere Worte? Aber je länger ich still bleibe, desto mehr merke ich, dass doch so eine Ahnung im mir ist, von dem, was man Auferstehung nennt. Eine leise, warme und hoffnungsvolle Ahnung, die nicht durchgedrungen ist zu mir, auf der Suche nach klaren Antworten. Erst neulich habe ich einer Schülerin erklärt, dass es im Glauben so klare Antworten oft nicht gibt. Nur Ahnungen. Hoffnungen. Und dann erschien es mir selbst irgendwie ungenügend, dass ich mich damit zufrieden geben soll. Und ich habe an den Fragen meiner Großmutter gemerkt, dass man sich als Mensch offenbar nach mehr sehnt, als nach solchen Ahnungen. Man will Antworten. Klare Sachen. Gewissheiten. Keine halben Sachen.

Aber mir scheint mehr und mehr, dass ich mich zufrieden geben muss, mit meiner kleinen Hoffnung. Mit der manchmal kaum wahrnehmbaren und manchmal ganz starken Hoffnung, dass der Tod nicht am Ende des Lebens steht. Ich muss mich tragen lassen von den Momenten, in denen ich etwas davon erahnen kann. Wenn ich, wie Marie Luise Kaschnitz es in einem Gedicht so wundervoll formuliert, aufstehe zur Auferstehung, mitten am Tag. Die Momente, in denen doch alles klar ist. In denen mich eine Wärme und Hoffnung durchflutet, die ich so nicht erklären kann. Obwohl sich nichts verändert im Leben, verändert sich alles. Weil ich auf einmal gewiss bin und hoffnungsvoll. Dann ist mir das für einen Augenblick mehr als jede klare Antwort. Dieses Gefühl, das mich ganz durchdringt: Die Gewissheit, ich bin getragen, kein Leid kann mir geschehen. Jedenfalls nicht im Innersten. Ich kann nicht vergessen werden, weil mein Gott mich kennt. Ich kann sterben und leben, weil ich an einen Gott glaube, der lebendiger ist als alles andere. Mitten in allen Zweifeln und Fragen kann diese Hoffnung mich durchfluten. Als Ahnung. Als was auch immer. Daran muss ich mich festhalten. Das muss mir genügen. Mehr bekomme ich nicht. Aber manchmal, manchmal ist es mir unendlich viel. Dann ist es mir alles.

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Ein Gedanke zu “Alles, was ich wissen kann

  1. Manchmal ist es wirklich nicht mehr als eine „Ahnung“, die uns als Hoffnung durchflutet. Deine Gedanken haben mich erinnert an das Titelbild des diesjährigen Oster-Pfarrbriefs unserer Gemeinde und den dazu gehörigenText. Du kannst beides hier finden:
    http://www.pfarreiengemeinschaft-wittlich.de/pfarrbriefe.html
    und dort die Nr. 06 / 30.03. – 26.04.2015
    Auch da geht es um Fragen und Hoffnungen, um österliche Durchblicke.

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