Von blauen Flecken und Lachtränen

Ich war nie Funkemariechen. Das war nichts für mich. Gestern habe ich rausgefunden, warum. Dabei dachte ich bisher immer, ich hätte ein prima Rhytmusgefühl. Und tanzen könnte ich auch ganz gut. Gut, dass man immer wieder eines besseren belehrt wird. Also ich kann schon tanzen. Vermutlich aber lieber für mich allein. Verrückt rumhopsen wäre auch ein Ausdruck, der besser zu meiner Körperbewegung passt. Naja, bis gestern war mir das so jedenfalls noch nicht klar. Und deshalb dachte ich auch, ich könnte einen Dance-Step Kurs im Fitnessstudio mitmachen. Neulich habe ich geschrieben: Gut, dass wir nicht alles schon vorher wissen. Ohja. Dann hätte ich das gleich gelassen.

Beim Dance-Step macht man eine Schrittvariation von gefühlten tausend Schritten auf, neben und über einen Stepper drüber. Gibt angeblich einen tollen Po. Alles, was ich davon habe, ist ein riesiger blauer Fleck an ebendem. Ich bin also hochmotiviert in den Kurs rein. Vermutlich habe ich deshalb auch nicht den Hinweis darauf gesehen, dass es ein Kurs für Fortgeschrittene ist. Und dann geht es auch schon gleich los. Die Trainerin ruft von vorne die Kommandos zu: Knee lift, touch, double, turn, Mambo, Twist. Und jetzt von vorne. Und nach dem Mambo noch ein Chachacha Schritt. Side to side. Leg curl und step, step. Ich glaube, ich habe mich in meiner ersten Stunde Gitarrenunterricht vor 19 Jahren das letzte Mal so blöd angestellt. Und ich habe mich echt angestrengt. Die Krönung von allem war dann mein grandioser Sturz über den Step beim Mambo cross over. Davon auch der blaue Fleck an besagter Stelle.

Aber – und das ist jetzt vielleicht überraschend – ich hatte gestern Abend wirklich viel Spaß. Ich habe Tränen gelacht und das passiert sonst nun wirklich nicht immer. Ich bin sogar fest entschlossen, den Kurs nochmal mitzumachen. Nächstes Mal aber die Einsteigervariante. Die Trainerin hat mich ermutigt: Toll, dass du nicht ausgestiegen bist. Bei der Performance. Ja, aufgeben kommt nicht in Frage. Peinlich berührt sein auch nicht. Das jedenfalls habe ich im Lauf der Fastenzeit gelernt: Ich bin so wie ich bin. So bin ich gut. Mehr noch: Schön. Und so habe ich es geschafft, einen schönen Abend zu haben. Über mich selbst zu lachen und nicht gefrustet zu sein, weil es eben Dinge gibt, die ich so überhaupt nicht kann. Dance-Step gehört für mich auf jeden Fall auf die Liste dieser Dinge.

Die ganze Palette ist es eben, die mich ausmacht. Dinge, die ich toll kann und solche, die überhaupt nicht zu meinen Talenten gehören. Mich so zu nehmen ist nicht immer ganz einfach. Es hat viel mit Selbstachtung und Barmherzigkeit gegenüber sich selbst zu tun. Sich kleine Schwächen zugestehen. Dann kann man auch mal über sich selbst lachen. Selbst, wenn man ein paar blaue Flecken davon trägt.

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Ein Gedanke zu “Von blauen Flecken und Lachtränen

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