Du bist fair

Gestern habe ich ein Video bei Facebook gesehen. Es ist ein Video von „Laut gegen Nazis“. Zwischen dem Essens-Selfie und der Zalando-Werbung habe ich so ein Video gar nicht erwartet. Man sieht Fußballer, Musiker und andere Leute, die alle immer wieder einen Satz sagen: „Pass auf, was du sagst!“ Worum es geht, ist schnell klar: Rassismus, Ausgrenzung und Diskriminierung fängt schon bei der Wortwahl an. Wir alle wissen, wie schnell einem Mal ein Wort über die Lippen kommt. Wie oft hast du am Fußballfeld schon jemanden brüllen hören: Lauf doch mal schneller du Schwuchtel. Oder die Frage, wenn der andere nicht gleich versteht: Bist du behindert? Du Opfer! Autsch. Das tut weh, wenn man das hört. Vor allem, weil man sich vermutlich gar nicht bewusst ist, was man da manchmal so sagt. Umso wichtiger, den Blick mal auf die eigene Wortwahl zu richten: Pass auf, was du sagst!

Darum geht es auch in der vierten Fastenwoche: Du bist fair! Also: Du bist gerecht, anständig, ehrlich. Im Althochdeutschen gibt es das Wort fagar, das vermutlich mit dem englischen fair verwandt ist: Es bedeutet schön. Wir reden in der Fastenzeit über Schönheit. Schön ist man allerdings nicht nur äußerlich. Fairness macht auch schön. Von innen. Kein Wunder also, woher das Wort sich ableitet oder? Zur Fairness gehört aber auch, das eigene Wort im Blick zu haben. Also aufzupassen, was man sagt, ganz im Sinne der Aktion, von der ich eben erzählt habe. Das weiß schon die Bibel. In Epheserbrief im 4. Kapitel findet sich dieser Satz: Kein böses Wort soll über eure Lippen kommen. Vielmehr sollt ihr stets ein gutes Wort haben, um jemanden aufzubauen, wenn es nötig ist. Oder anders: Pass auf, was du sagst.

Ausgrenzung fängt mit Worten an. Ich lasse tief blicken, mit meiner Wortwahl. Im Religionsunterricht hatten wir neulich erst eine Diskussion darüber, wie man angemessen über Behinderungen sprechen kann. Die richtigen Worte finden, ohne zu verletzen und überheblich zu sein. Das ist schwer. Eins ist dafür nämlich unvermeidbar: Ich muss mir Gedanken machen. Mich in den anderen hineinversetzen und begreifen können, dass meine Rede ihn verletzen kann. Wenn bei unseren Jugendlichen „Du Opfer“ zum Schimpfwort wird, dann macht mich das schon nachdenklich, ganz ehrlich. Ich frage mich, was für ein Menschenbild sich dahinter versteckt, wenn man den Opferbegriff so benutzt. Wenn das Opfer zum Stigma wird und zur Beleidigung. Echt übel in meinen Augen. Wo kommen wir hin, wenn jemand „Du Schwuchtel“ über den Fußballplatz brüllt, wenn der Verteidiger den Ball nicht mehr erschwischt hat? Wie fühlt man sich denn, wenn die eigene Identität als Schimpfwort benutzt wird?

Pass auf, was du sagst! heißt nicht, dass ich nicht mehr reden darf, wie mir der Schnabel gewachsen ist. Es heißt auch nicht, dass ich stundenlang über meine Worte reflektieren soll. Aber es heißt: Ich mache mir Gedanken darüber, was meine Worte für andere bedeuten. Was sie über mich sagen. Über mein Verständnis von meinen Mitmenschen. Das kann einen schonmal erschrecken lassen über die eigene Wortwahl. Und vielleicht damit über die eigene Gedankenlosigkeit. Den Blick, den die Bibel auf die Sache wirft, finde ich ganz richtig: Hab‘ mehr gute und aufbauende Worte in deinem Wortschatz. Mache Menschen groß mit deiner Rede, nicht klein. Pass auf, was du sagst! Dann, so sagt die Bibel weiter, bringt dein Wort denen Gnade, die es hören.

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