Du bist nicht, wofür man dich hält

Die Bibel erzählt manchmal echt schräge Geschichten. Eine davon ist die von Zachäus. Zachäus ist Zöllner. Dieser Beruf hatte so ziemlich den schlimmsten Ruf, den man sich vorstellen konnte. Zöllner, das waren die, die den Leuten für alles Geld abknöpften – und den Armen um so mehr. Als Jesus auf seinem Weg in Jericho Halt macht, möchte Zachäus ihn unbedingt sehen. Er hat so viel von diesem Mann gehört. Weil die Menschenmenge aber so groß und er selbst so klein ist, klettert er auf einen Baum, um Jesus von da aus besser sehen zu können. Als Jesus ihn da oben erblickt, fragt er Zachäus, ob er heute nicht Gast in seinem Haus sein könnte. Man kann sich vorstellen, wie die Leute reagiert haben, also sie hörten, dass Jesus gerade bei einem solchen Halsabschneider essen wollte. Sie waren jedenfalls nicht sehr begeistert. Als Zachäus hört, wie die Menschen von ihm denken, sagt er zu Jesus: Ich will die Hälfte von meinem Besitz den Armen geben. Und wem ich zu viel abgenommen habe, dem werde ich es vierfach zurückzahlen. Jesus antwortet ihm: Heute bist du gerettet worden. Ich bin gekommen, um die Verlorenen zu suchen und zu retten.

Diese Geschichte steht hinter dem Motto der dritten Fastenwoche, die heute angebrochen ist: Du bist nicht, wofür man dich hält. Naja, habe ich im ersten Moment gedacht, er ist doch ein Halsabschneider, oder nicht? Und jetzt, wo Jesus vorbeikommt, packt ihn die große Reue und er will es wieder gutmachen. Ist das nicht ein bisschen zu einfach? Vermutlich habe ich so gedacht, weil ich Situationen im Kopf habe, wo es sich jemand mit mir auch so leicht machen wollte. Sich erst wie der letzte Mensch verhalten hat und dann mit einer einfachen Entschuldigung davonkommen wollte. Aber je länger ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich, dass es so leicht vielleicht doch nicht ist. Denn bevor ich um Entschuldigung bitten kann, muss ich mir ja erstmal eingestehen, dass ich etwas falsch gemacht habe. Jedenfalls, wenn ich es ehrlich meine. Und das – da spreche ich aus Erfahrung – ist wirklich nicht leicht.
Du bist nicht, wofür man dich hält. Das ist eine Zusage, wenn ich es mir recht überlege. Ich denke nochmal an Zachäus. Er verhält sich falsch, zieht den Leuten das Geld aus der Tasche. Er ist einer, den man nicht mag, einer der nur an sich denkt, an den eigenen Vorteil. Aber Jesus sieht mehr: Er sieht, dass Zachäus mehr ist, anders ist als das, was er nach außen tut. Oder besser gesagt: Er sieht, wer Zachäus sein könnte. Ein besserer Mensch, wenn er bereit zur Veränderung ist. Wenn er bereit ist, für echte Entschuldigungen und einen Neustart.
Du bist nicht, wofür man dich hält. Das heißt dann doch: Du musst nicht sein, wofür man dich hält. Du kannst anders sein. Du musst nicht mitziehen beim Mobbing der Mitschülerin. Du musst auf der Arbeit nicht der letzte sein, der den PC runterfährt. Du kannst innehalten und dich fragen, wer du wirklich sein willst. Und die Richtung ändern.
Du bist nicht, wofür man dich hält. Das heißt auch: Du bist mehr als das, wofür man dich hält. Andere sehen dich immer nur von außen. Aber du bist mehr. Du bist all das, was andere nicht sehen können. Weil sie vielleicht auch gar nicht richtig hinschauen.
Du bist nicht, wofür man dich hält. Das gilt auch für den anderen. Wer weiß, vielleicht hat Zachäus vorher nie die Chance für einen Richtungswechsel im Leben gesehen? Vielleicht hat sich nie jemand die Mühe gemacht, genau hinzusehen, ihn anzusehen..
Du bist nicht, wofür man dich hält. Du kannst anders sein. Wenn du es willst. Du bist mehr. Wenn du es zulässt.
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