Auf der Suche nach Talenten

Du bist ein Talent. Das ist das Motto der neuen Fastenwoche, die gestern angebrochen ist. Ich finde diesen Satz wunderbar. Im Blick auf mich und im Blick auf andere. Gestern habe ich dieses neue Motto gelesen und beschlossen, heute mal auf Talentsuche zu gehen. Das hat sich ganz gut angeboten, immerhin hatte ich drei Stunden Unterricht. Was ich festgestellt habe, bei meinem kleinen Experiment ist, dass sich etwas verändert, wenn ich Menschen mit diesem Blick betrachte. Wo bist du ein Talent? Was sind deine größten Stärken? Das ist nicht unbedingt die alltäglich Frage, die man stellt, wenn man mit Menschen zusammentrifft. Meistens hat man sich selbst im Blick und misst andere mit einem Maß, dass man bei sich selbst besser erst gar nicht anlegen sollte.

Ich habe meine Mitmenschen heute mal ganz anders kennengelernt, als ich auf die Suche nach Talenten gegangen bin. Da ist diese Schülerin in meiner 6. Klasse, die hat so einen spitzbübischen Charme mit dem sie alle um den Finger wickeln kann. Man kann nicht anders, als sie einfach gleich gern zu haben. Eine meiner Schülerinnen kann wunderbar zeichnen. Eine andere hat die Fähigkeit, Dinge wahnsinnig schnell zu erfassen. Wieder eine andere hat ein tolles und feinfühliges Wesen. Eine ist immer mutig genug, Kritisches laut auszusprechen. Ich habe einen Kollegen, der eine unfassbare Ruhe ausstrahlt. Eine andere Kollegin steckt alle mit ihrem Lachen an. Ich habe es nicht zu allen gesagt. Aber einige Schülerinnen habe ich angesprochen auf ihre Talente. Und ich konnte förmlich sehen, wie sie unter den guten Worten ein Stück gewachsen sind.

Er macht etwas mit mir, dieser Satz. Selbst wenn ich auf andere Menschen schaue. Heute kam ich nach Hause und war so richtig glücklich. Nicht, weil ich unbedingt ein wahnsinniges Talent an mir selbst festgestellt hätte, sondern weil es so viel schöner ist, mit einem wertschätzenden Blick auf andere zu schauen. Schöner jedenfalls, als nach Fehlern zu suchen. Zu fragen: Was kann ich viel besser als du? Der Satz lädt mich ein, ganz bewusst meine Aufmerksamkeit auf das Gute und Stauenenswerte in uns allen zu lenken.

Ein Talent ist mehr als etwas, das ich gut kann. Es ist etwas, das mich ausmacht. Etwas, das mir geschenkt wurde. Das ist ganz wichtig am Begriff des Talents. Ich würde sagen: Ich bin von Gott beschenkt und gesegnet mit Talent. Er macht mich zum Talent. Selbst, wer das mit Gott nicht unterschreiben kann muss aber doch zugeben: Ein Talent macht mich reich. Ich darf mich beschenkt fühlen mit einer Gabe, von wem auch immer. Wenn ich mir sagen lasse: Du bist ein Talent!, dann meint das mehr als: Du hast ein Talent! Du bist ein Talent. Du, mit deinen Fähigkeiten und Stärken bist ein Geschenk. Du kannst andere bereichern mit deinen Gaben. Mit deinem ansteckenden Lachen Freude verbreiten. Mit deiner künstlerischen Begabung die Welt schöner machen. Mit deiner Kritik die anderen zum Denken herausfordern. Ich möchte wirklich Mut machen, Talente zu suchen: Bei sich und bei anderen. Schon diese Suche macht reicher. Mich und andere als Bereicherung für die Welt betrachten. Das nimmt einem die schlechte Laune von ganz alleine.

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s