Sieben Wochen

Morgen beginnt die Fastenzeit. Sieben Wochen bewusst leben – das jedenfalls bedeutet die Fastenzeit für mich. Viele fragen mich, warum ich überhaupt faste. Das wäre ja schließlich eine rein katholische Angelegenheit. Also ganz so ist es auch nicht. Fasten ist schließlich im strengen Sinne nicht mal eine rein christliche Tradition, sondern findet sich in vielen anderen Religionen und Kulturen. Es ist eine Reinigung und Stärkung von Körper und Sinnen. Bewusst leben, indem man verzichtet – und sieht: Ich kann auch ohne leben. Es ist schön mit Süßigkeiten, Kaffee, Alkohol – aber zum reinen Leben brauche ich die Dinge nicht.

Von der evangelischen Kirche gibt es in jedem Jahr eine Aktion, die die Fastenzeit unter ein bestimmtes Motto stellt: Sieben Wochen ohne. Dieses Jahr: Du bist schön! Sieben Wochen ohne Runtermachen. Hier geht es vor allem um ein Fasten für Geist und Seele. Mir bewusst machen, was mich runterzieht und wo ich andere runterziehe. Und umgekehrt: Mir bewusst machen, was mich und andere aufbaut und stärkt. Ich persönlich finde das Motto dieses Jahr sehr gelungen. Die sieben Wochen der Fastenzeit nutzen, um dem eigenen Leben mehr Farbe zu geben. Es bunter und schön zu machen. Und vor allem: Zu sehen, was alles schön ist im eigenen Leben. Und im Leben meiner Mitmenschen.

Jede Woche der Fastenzeit steht dabei unter einer „Überschrift“. Morgen geht es los mit „Du bist wunderbar gemacht“. Dazu gehört ein Bibelvers aus Psalm 139: Ich danke dir, dass ich wunderbar gemacht bin. Es ist eine Aufgabe, diesen Satz zu leben. Eine ganze Woche lang. Mir jedenfalls fällt immer zuerst ein, was ich alles nicht kann. Wo ich zu langsam bin oder zu sensibel. Zu chaotisch und zu hibbelig. Die Fastenzeit bietet mir dieses Jahr die Möglichkeit, mich von meiner schönsten Seite zu sehen. Schwächen hinzunehmen und zuerst auf meine Stärken zu schauen. Dann kann ich sagen: Ich bin sehr gründlich und feinfühlig. Innere Ordnung ist mir wichtiger als äußere und ich bin gern aktiv. Meine Schwächen erstmal positiv nehmen. Und mir sagen: Ich bin wunderbar gemacht.

Aber es geht nicht nur um den Blick auf mich selbst. In der Fastenzeit geht es auch um die Weitung meines eigenen Horizonts. Auf den anderen schauen und sagen können: Du bist wunderbar gemacht. Ohne Neid oder Überheblichkeit. Ich denke da an meine Schülerinnen. Ihnen das Gefühl zu geben, dass sie wunderbar gemacht sind, das stärkt sie und macht sie zu positiven und tollen Frauen. Toll, wie du Dinge so einfach erklären kannst. Klasse, dass du so sensibel bist! Schön, dass du uns auch teilhaben lässt an dem, was du nicht glauben kannst! Das macht stark.

Ich nutze die Fastenzeit dieses Jahr, um mich von den Forderungen einer Leistungsgesellschaft etwas zu lösen. Nicht nur, was ich kann zählt. Sondern wer ich bin. Und dazu muss ich genauer hinsehen. Nicht nur auf Noten schauen. Nicht nur auf den Job und die Kontobilanz. Ich hoffe, dass mich die Zeit stärkt. Bewusst wahrzunehmen, wie wertvoll ein einzelner Mensch ist. Ob krank oder gesund. Wie wertvoll ich bin. Das ist dann am Ende hoffentlich kein Verzicht. Sondern ein Gewinn. An Lebensfreude. An Stärke. An Selbstvertrauen. An Menschlickeit.

Wer mer über die Fastenaktion der evangelischen Kirche erfahren will schaut mal hier: http://7wochenohne.evangelisch.de/

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