Auf ein Neues

Eigentlich ein Tag wie jeder andere heute. Aber doch irgendwie anders. Der letzte Tag des Jahres ist immer mit einer besonderen Art von Zauber verbunden. Man spürt, dass etwas zu Ende geht. Wo sind die Tage hin? Als ob gestern das Jahr erst begonnen hätte und heute ist es schon wieder vorbei. Ein neues Jahr. Hoffnungen. Vorsätze. Wünsche. Ängste. Man verbindet gemischte Gefühle mit dem Neuen, das bald anbricht. Und doch ist es ja gar nicht so neu. Das Leben geht weiter wie bisher. Man schreibt nur eine andere Zahl an die letzte Datumsstelle.

Am Jahreswechsel wird mir der Wandel deutlich. Die Situation, dass etwas endet und etwas anderes beginnt. Der Silvesterabend holt das symbolisch für mich ein. Und ist deswegen vermutlich auch für viele Menschen so bedeutsam. Ich schaue zurück: Was war? Das machen z.T. die Jahresrückblicke in Fernsehen und Zeitung für mich. Aber ich selbst schaue auch auf mein Jahr. Wie viel in 365 Tage hineinpassen kann. Und an wie wenige Einzelheiten ich mich doch erinnere. Als ob alles verschwimmt.

Mir geht es immer so, dass sich bestimmte Tage oder Momente eines Jahres besonders einprägen. Und wenn ich zurückschaue leuchten sie zwischen den vielen Momenten hervor. Als gute Erinnerungen. Als schmerzliche Erinnerungen. Ich habe dieses Jahr mein Examen gemacht. Den letzten Tag dieser Odysse habe ich im Gedächtnis als wäre es gestern. Im Sommer habe ich eine Freundin verloren. Das tut noch weh. Ich habe ein neues Zuhause bekommen, bin umgezogen. Aber an den ersten Tag in der neuen Wohnung erinnere ich mich nicht. Dafür an meinen ersten Spaziergang in den Weinbergen vor meiner Tür. Wie die neue Stadt zu meinen Füßen in der Sonne geleuchtet hat. Das weiß ich genau.

Wie ein Mosaik ist es, wenn ich auf mein Jahr zurückblicke. Viele tausend Momente, aus denen sich dieses Jahr zusammenpuzzelt. Dazu brauche ich kein Facebook, das mir die schönsten Erinnerungen nochmal präsentiert, sondern nur meinen Kopf. Da ist es drin. Jeder wird solche Momente leuchten sehen in seinem Jahr. Dinge, an die man sich gern erinnert. Dinge die schwer waren. Vielleicht kaum zu ertragen.

Was kommt, frage ich? Was erwartet mich im neuen Jahr? Vermutlich wird es morgen gar nicht so anders sein, wenn ich die Augen aufmache und den neuen Tag anblicke. Vielleicht ein anderes Gefühl. Egal ob Vorfreude oder Bangen. Egal, was ich fühle, es kommt doch, das Neue. Ich werde mich wieder irgendwie durchwursteln. Vielleicht wird es ein tolles Jahr. Vielleicht ein schweres, das mir viel abverlangt. So oder so. Es wird kommen. Und ich werde es erleben. Jeden einzelnen Tag. Und wenn ich heute Nacht irgendwann ins Bett falle, dann werde ich vermutlich beten, für mein altes Jahr und für mein neues:

Gott, du bist immer da. Bist mein Anfang, meine Mitte und mein Ende. Du siehst das Ganze, nicht nur die Bruchstücke, die ich in Erinnerung behalte. Ich bitte dich für mein neues Jahr: Ich möchte Erfahrungen sammeln und wachsen. Ich möchte noch mehr vom Leben sehen und erleben. Gib mir Kraft, das neue Jahr zuversichtlich zu beginnen. Lass mir meine Träume, auch wenn sie nicht alle wahr werden. Wo ich dieses Jahr meine Mitmenschen nicht gesehen habe, möchte ich nächstes Jahr genauer hinschauen. Sanftmütig und freundlich möchte ich werden. Selbstbestimmt und frei. Schenk mir ein gutes Jahr. Lass mich aushalten, was kommt. Durchstehen, was schwer ist. Genießen, was schön ist. Wachsen an dem, was ich höre und sehe. Und dich suchen, darin nicht aufgeben. Amen

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