Wie zwischen tausend bunten Farben

Weiß. Weihnachten ist weiß. Auch wenn wir dieses Jahr keine weiße Weihnachten hatten. Kein Schnee auf Straßen und Dächern. Weiß wurde es doch. In den Kirchen. Die Farbe hat gewechselt. Nicht mehr violett, sondern weiß. Es wird hell. Eine helle Zeit. Weiß. Seit vorgestern dann auch draußen bei den meisten in Deutschland. Überall. Es schneit und schneit. Dazu hat gestern den ganzen Tag die Sonne geschienen. So hell wurde es da, dass man richtig geblendet war. So viel Licht nach der dunklen Zeit.

Dabei ist weiß eigentlich nicht mal eine richtige Farbe. Keine Spektralfarbe jedenfalls. Genau wie schwarz oder grau. Weiß entsteht durch eine Mischung aus Farben und ähnelt für unser Auge dem Farbeindruck von Sonnenlicht. Weiß ist hell. Die hellste aller Farben. Und doch irgendwie keine Farbe. Weiß ist nur zu sehen im Zusammenhang mit anderen Farben. Es leuchtet hervor. Wenn die Kinder in der Grundschule weiß malen wollen, lassen sie einfach die Flächen auf dem Blatt frei. Oder malen auf farbigem Untergrund. Weiß lässt sich erst zwischen Farben wahrnehmen.

Weiß hat in vielen Kulturen unterschiedliche Bedeutung. Es steht für Reinheit, für Unendlichkeit, aber auch für das Ende: In China symbolisiert die Farbe Tod und Trauer. Wir tragen weiß zu besonderen Anlässen. Es sticht hervor. Genauso wie die Kirchen an Weihnachten in weiß geschmückt werden. Das Weiß sagt mir: Es kommt eine helle Zeit. Es wird hell.

Ist das im Leben nicht genauso? Die hellen Zeiten, das Weiß im Leben, nehme ich nur wahr, weil es zwischen vielen Farben steht. Mein Leben ist nicht immer hell. Es ist mal dunkel, mal bunt. Aber es gibt ganz besondere helle Momente. Die leuchten hervor zwischen all den Momenten, zwischen den Farben, in denen ich mein Leben male. Ich brauche sie. Die hellen Zeiten. Und sie leuchten manchmal immer noch, wenn ich mit dunklen Farben weitermale.

Das Problem mit dieser Farbe kennen schon die Kinder: Man kann sie auf Papier nicht malen. Ich kann nicht beschließen, dass eine helle Zeit beginnen soll, in meinem Leben. Dazu  muss ich etwas freilassen. Vielleicht loslassen. Muss geschehen lassen. Manchmal wird es dann ganz hell. Und alles leuchtet, wie mitten zwischen tausend bunten Farben.

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