Gott antwortet

Ich war neulich beim Hautarzt. Jährlicher Krebsvorsorgecheck. Es ist ein neuer Arzt. Und er fragt mich, was ich denn beruflich mache. Vikarin, meine ich. Er schaut ein bisschen fragend. Also ich werde dann mal Pfarrerin, setze ich nach. Ich bin quasi gerade im Referendariat für Pfarrer, das nennt sich Vikariat. Ah, alles klar, meint er. Das ist ja spannend. Ja schon, sage ich. Und während er mit einem blauen Marker Striche an all meine Muttermale malt, erzählt er: „Ich hatte in der Uni mal einen Professor in Psychologie, der meinte: Wenn man betet, spricht man zu Gott. Wenn Gott zu einem spricht, dann nennt man das Psychose.“ Ich musste erstmal lachen. Witziger Typ scheinbar, dieser Professor.

Aber wie es manchmal so ist: Es gibt solche Sätze in Unterhaltungen, die erscheinen einem erst völlig nebensächlich. Aber dann muss man doch häufiger darüber nachdenken. Weil einen irgendetwas daran beschäftigt. Ich frage mich, ob der Professor wirklich Recht hat. Mir ist schon klar, wie der Witz gemeint ist: Wer Stimmen hört, bei dem ist meistens irgendwas nicht in Ordnung. Aber heißt das dann, dass damit alle Möglichkeiten ausgeschöpft sind, in denen Gott zu mir sprechen kann?

Ich bin fest davon überzeugt, dass es so etwas gibt. Gott kann zu mir sprechen. Ohne, dass ich fremde Stimmen in meinem Kopf höre oder Erscheinungen habe. Ohne, dass sich meine Sprache verstellt oder anderes Gruseliges. Ich glaube fest daran, dass es diese besonderen Momente im Leben gibt, in denen man völlige Gewissheit hat. Es kann ein Gefühl sein, eine Ahnung, eine Zuversicht.

Mag sein, dass es Menschen gibt, die sagen: Das ist alles nur Einbildung. Was man da hört, ist die eigene Stimme im Kopf. Man entdeckt neue Kraftreserven in sich. Aber muss es deshalb weniger von Gott kommen? Wenn ich mitten in der Krise neue Kraft finde, obwohl ich nicht mehr weiter weiß. Wenn ich mir selbst zusprechen kann „Es gibt einen Weg“, obwohl ich ihn noch nicht sehe. Ich hoffe darauf, dass es möglich ist. Sonst könnte ich nicht mehr glauben. Gott spricht zu mir. Nicht, wenn ich es am meisten will. Aber wenn ich es am meisten brauche. Ich spüre: Ich bin nicht allein. Ich bin getragen. Ich habe Mut und Gewissheit. Ich komme ganz nah zu mir. Und irgendwo in mir, finde ich ihn. Ich weiß: NIcht ich allein muss es schaffen, aber ich kann es, wenn es sein muss.

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