Im Vertrauen

Heute war mein letzter Tag in der Grundschule. Es ist mir wirklich schwergefallen, mich zu verabschieden. Von den vielen Kindern, die mir in den Wochen so ans Herz gewachsen sind. Ich werde sie wirklich vermissen, das weiß ich jetzt schon. Die großen, staunenden Augen, wenn ich erzähle. Die schlauen Fragen. Die Pausenbrotdiskussionen. Die ehrliche Freude. Den Lärm werde ich vielleicht nicht vermissen. Aber sonst doch ganz viel.

Ich habe das Gefühl, dass die Zeit so schnell vorbeigegangen ist. Anfang September habe ich mich noch gefragt, wie das wohl alles werden würde und ob ich es gut machen werde in der Schule. Ich kannte die Kollegen nicht, die Kinder nicht, nichtmal den Stadtteil, in dem die Schule liegt. Und jetzt ist alles schon wieder vorbei. Etwas Neues fängt an: Ab Januar bin ich dann am Gymnasium. Das wird nochmal ganz anders.

Ich bin jemand, dem Abschiede wirklich schwer fallen. Vermutlich, weil ich mich immer so sehr auf die Dinge einlasse, dass sie mich dann ganz und gar in ihren Bann ziehen. Aber ich glaube tatsächlich, dass uns allen Abschiede so schwer fallen, weil es bedeutet, etwas Vertrautes und Bekanntes zu verlassen. Abschied heißt immer: Ich lasse etwas zurück, damit etwas anderes beginnen kann. Etwas Neues. Das ist unbekannt, vielleicht auch ein bisschen unheimlich.

Abschied hat aber auch immer etwas mit Vertrauen zu tun. Ich vertraue darauf, dass das Neue eben auch gut werden wird. Dass es klappt, was ich vorhabe. Sonst könnte ich den Abschied vermutlich nicht aushalten. Um Abschied zu nehmen, braucht man Vertrauen darauf, dass es weitergeht. Egal wie. Und das, so würde ich behaupten, ist bei allen Abschieden gleich. Ein Abschied von einem anderen Menschen kann mir nur gelingen, wenn ich darauf vertraue, dass nicht alles zusammenbricht. Dabei ist Abschiednehmen nicht immer der Moment, in dem etwas zu Ende geht. Da kann viel Zeit vergehen, bis ich bereit bin, wirklich Abschied zu nehmen.Es ist eine bewusste Entscheidung. Und die kann ich nur treffen, wenn ich Vertrauen habe.

Ich glaube, dass es ein schwieriger Prozess im Leben ist, dieses Vertrauen zu lernen. Weil dazu ganz viele gute und schlechte Erfahrungen notwendig sind. Woher dieses Vertrauen dann letztendlich kommt, weiß ich nicht. Manche sagen vermutlich, aus dem Erfahrungswert, dass das Leben immer weitergeht, egal was passiert. Andere sagen, aus mir selbst, es ist Selbst-Vertrauen. Und wieder andere vermuten: Aus Gott. Woher ich es auch nehme, es ist die Basis dafür, dass ich einen neuen Schritt machen kann. Aber den Schritt kann ich nur machen, wenn ich Abschied nehme. Nur dann ist Neues möglich. Abschied tut immer ein bisschen weh. Etwas hinter sich lassen. Tschüss sagen. Aber dann: Zu Neuem aufbrechen. Im Vertrauen, dass es schon irgendwie gehen wird.

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