6 Minuten

Manchmal hat man keine Zeit. Das kenne ich zu gut. Die Zeit in der Grundschule gerade ist auch stressig. Stunden vorbereiten, halten, nachbereiten. Neue Stunden vorbereiten. Lesen. Einkaufen. Dahin. Dorthin. Weihnachtsgeschenke – Mist, habe noch keine. Backen. Freunde anrufen. Puh – und das im Advent. Ich finde manchmal kaum meine 10 Minuten, um hier zu schreiben.

So wie heute. Das gibt mir zu denken. Aber so viel Zeit muss sein. Genauso viel Zeit, wie mein Ei auf dem Herd jetzt braucht, bis es lecker ist: 6 Minuten. Die habe ich jetzt. Ich finde es erschreckend, dass das meine Zeitfenster sind, mitten im Advent. Aber so geht es ja nicht nur mir, sondern ganz vielen. Dabei ist es ja gerade so wichtig, dass man sich auch mal Zeit nimmt. Wenn ich mir zu wenig Zeit nehme, dann merke ich das immer in der Nacht: Ich träume und träume und träume. Mein Gehirn will mir sagen: Gib mir mehr Zeit, die Eindrücke zu verarbeiten. Ich stopfe und stopfe da oben nur, aber irgendwo müssen die Gedanken ja hin. Wenn ich in meinen Kleiderschrank immer nur reinstopfe kommt irgendwann der Punkt, an dem mir alles entgegenfällt. So wie im Traum.

Deshalb nehme ich mir jetzt Zeit. Und wenn es nur 6 Minuten sind, in denen ich auf mein Ei warte. 6 Minuten, um meine Gedanken zu sortieren. 6 Minuten um zu überlegen, was an diesem Tag heute besonders war. Manchmal muss man sich das wirklich fragen. Da rauscht man durch den Tag, ohne ihn wirklich wahrzunehmen. Schon vorbei? Wieder morgen? Wo ist die Zeit geblieben?

Meine Drittklässler haben mich da heute auf eine interessante Spur gesetzt. Wir waren spät dran. Einer kam zu spät. Der andere suchte noch seinen Schulranzen. Der nächsten fällt ein, dass sie eigentlich Weihnachtsgottesdienstprobe hat. So geht das. Dann noch singen. 2 Strophen Macht hoch die Tür. Und ich sage mehr zu mir selbst als zu den Kindern: „Haben wir jetzt noch genug Zeit für das Gebet? Oder fange ich gleich an?“ Ganz entrüstet blickt mich ein Mädchen an: „Frau Mantowsky, fürs Beten ist immer Zeit.“ Gott sei Dank, meine Schüler. Das vergisst man manchmal. Sich Zeit zu nehmen für die wirklich wichtigen Sachen. Das muss kein Gebet sein. Das können 5 Minuten vor dem Schlafen sein, in denen man seinen Tag nochmal durchgeht. Oder die Heimfahrt im Auto, in der man die Gedanken mal fließen lässt. Dafür muss immer Zeit sein. Und wenn es nur 6 Minuten sind, in denen man auf sein Ei wartet.

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