Was ich höre und sehe

Wer heute in der Kirche war, hat vermutlich folgenden Text als Predigttext gehört: Johannes, der im Gefängnis von den Werken Christi hört, schickt seine Jünger zu ihm um zu fragen: Bist du es, der da kommen soll, oder sollen wir auf einen anderen warten? Jesus sagte zu ihnen: Geht wieder zu Johannes und sagt, was ihr hört und seht: Blinde sehen und Lahme gehen, Aussätzige werden rein und Taube hören, Tote stehen auf und Armen wird das Evangelium gepredigt. So in etwa steht es im Matthäusevangelium in Kapitel 11.

Was hat Jesus den Jüngern da eigentlich für eine Antwort gegeben frage ich mich? Eine klare Ja/Nein-Frage und er beantwortet sie in der Geschichte mit einem Satz. Ohne Ja oder Nein. Sagt, was ihr hört und seht. Ob mir das heute auch gereicht hätte? Und ob man das, was da aufgezählt wird, wirklich hören und sehen konnte? Da ist die Rede von Wundern, die Jesus vollbracht haben soll, als er noch am Leben war. Diese Wunder sind häufig eine Argumentation gegen den Glauben: Taube hören und Tote stehen auf? Wo soll das denn passiert sein? Wer an Wunder glaubt, wird schnell als realitätsfremd abgestempelt. Und es gibt für alles irgendeine Erklärung. Manche Menschen haben für alles eine rationale Erklärung. Vielleicht haben sie Recht. Vielleicht aber auch nicht.

Ich glaube, die Menschen haben damals einen Mann gesehen, der Wunder vollbracht hat. Vielleicht waren es wirkliche Wunder. Vielleicht war es aber auch nur das Vertrauen in einen Mann, der Mut gemacht hat, dass Glaube Berge versetzen kann. Ein Mann, der lehrte, dass Liebe stärker ist als alles andere. Liebe deinen Nächsten. Liebe deinen Feind. Mehr geht nicht. Vielleicht hat das den Menschen die Augen geöffnet: Ein Brot reicht für mehr Menschen, als für mich allein. Es reicht für so viele. Und haben wir nicht auch heute alle schon von Fällen gehört, in denen Kranke sich Zeit verschaffen, sogar gesund werden können, weil sie es unbedingt wollen?

Es gibt auch andere Fälle. Ich habe erlebt, wie einmal Menschen aus einem sehr frommen Gebetskreis zu einer Frau gekommen sind, deren Kind gestorben ist und ihr die Schuld für den Tod ihres kleinen Mädchens gegeben haben. Sie habe nicht genug für ein Wunder gebetet. Nicht fest genug geglaubt. Entsetzlich oder? Was für ein kleiner Glaube, der Gott mit einem Maßband meinen Glauben messen lässt. Nicht wie fest ich glaube zählt. Nicht wie oft ich bete. Wunder sind vermutlich einfach Wunder. Sie geschehen. Sie durchbrechen alle Naturgesetze. Ich kann an sie glauben. Oder sie erklären. Und beides hat sein Recht.

Und das ist die Antwort, die Jesus den Jüngern in der Geschichte aus der Bibel gibt: Was hört ihr? Was seht ihr? Und reicht euch das, um daran zu glauben, dass ich es bin, der kommen soll?

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