Die Angst vor dem Fremden

Sie nennen es Spaziergänge, was sie da montags tun. Spaziergänge für ganz viele Dinge, das betonen sie auf ihrer Website. Die Pegida-Bewegung boomt im Moment in Deutschland und breitet sich immer weiter aus: Patriotische Europäer Gegen die Islamisierung des Abendlandes. Da steht jedenfall kein FÜR im Namen, sondern nur ein GEGEN. Und es gibt eine klare Zielrichtung: Die Bewegung richtet sich gegen den Islam. Der wird als Bedrohung für etwas empfunden, was sie als Abendland bezeichnen. Eine nicht nur fast überholte Ausdrucksweise in unserer globalisierten Welt.

Ich sage dazu jetzt einfach mal meine Meinung: Das ist lächerlich. Und gefährlich. Und absolut hirnverbrannt. Für mich ist die Sache klar: Das ist eine rechtspopulistische Bewegung. Ganz klar wird mit Begriffen gearbeitet, die Ängste aufnehmen und schüren, die Fremdenhass säen und die Angst vor dem Fremden befeuern. Und das, so sehe ich das jedenfalls, ist Populismus. Rechter Populismus. Falls das bisher noch niemandem aufgefallen sein sollte: Hier ist eine Bewegung, die sich gegen eine religiöse Gruppe richtet. Nicht zielgerichtet gegen Menschen bestimmter Herkunft, wobei das in Äußerungen wie „die sollen doch einfach bleiben, wo sie herkommen“, auch mitschwingt. Menschen werden für ihre Religion verurteilt. Vielleicht geht das ja nur mir so, aber für mich hat das einen starken geschichtlichen Beigeschmack.

Ich habe keine Angst vor dem Islam. Warum auch? Ich bemühe mich, ihn kennenzulernen. Während meines Studiums in Mainz war ich einige Male in einer Moschee in Frankfurt. Ich habe dort das Zuckerfest mitgefeiert. Ich wurde zu einem Gottesdienst eingeladen. Ich bin wirklich herzlich und offen empfangen worden. Mir sind dort sehr religiöse Menschen begegnet. Aber offene Menschen. Und ich habe meine erste Scheu abgelegt. Ja, die hatte ich. Weil der Islam eine Kultur birgt, die ich nicht kenne. Und was ich nicht kenne, macht mir erstmal Angst. Das ist normal. Aber in der Begegnung ist mein Interesse gewachsen. Und ich habe gesehen, dass wir unglaublich viel voneinander lernen können, wenn wir uns aufeinander einlassen.

Leider ist der Islam seit dem 11. September fast ausschließlich in den Negativschlagzeilen. Ja, es stimmt: Fast alle Terroristen sind Islamisten. Aber nicht alle Moslems sind Terroristen. Das ist wichtig und wahr! Ich halte es für gefährlich, die Angst vor dem Fremden und Unbekannten durch populistische Parolen zu schüren. Ich spüre große Wut bei diesen Menschen, die sich am Islam entlädt. Nicht, weil er der Grund dieser Wut ist, sondern weil es so einfach ist, alles darauf zu schieben.

Ich bin Christin. Überzeugt. Und doch bin ich auch überzeugt, dass es funktionieren kann, in brüderlicher und schwesterlicher Gemeinschaft mit den Religionen zu leben. Ich besinne mich auf Gemeinsamkeiten. Was ich nicht kenne, will ich kennenlernen. Unterschiedliches muss ich irgendwie akzeptieren. So funktioniert die Welt nunmal: Wir alle sind verschieden und die Angst vor dem, was ich nicht kenne macht mich klein. Mach dich also groß und schau über den Tellerrand. Erlebe Horzionterweiterndes. Werde enttäuscht. Aber schau. Und versteck dich nicht hinter leeren Parolen. Das hatten wir alles schonmal und brauchen es nicht wieder!

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