Ein Lichtblick

Warum wir Kerzenschein so mögen? Gerade jetzt, wo es früh dunkel und spät hell wird. Wer arbeitet geht im Dunkeln und kommt in Dunkeln heim. Man hat das Gefühl, die Tage gar nicht richtig zu erleben. Das ist ein Grund, warum ich in der Adventszeit Kerzen anzünde. Sie spenden Licht und Wärme. Ich empfange Geborgenheit. Im flackernden Licht komme ich zur Ruhe, kann mich vom Schein einhüllen lassen. Vom Geruch nach Wachs und Streichhölzern.

Der Adventskranz ist ein Ritual für dieses Licht im Advent. „Erfunden“ wurde er vom evangelischen Theologen Johann Hinrich Wichern Mitte des 19. Jahrhunderts. Wichern setzte sich vor allem für die Armen und Waisen seiner Zeit ein. In Hamburg gründete er das Rauhe Haus, in das er Kinder und Jugendliche aus armen und schwierigen Verhältnissen aufnahm. Sie wurden dort wie in einer Familie aufgenommen und erzogen, um ihnen einen besseren Start ins Leben zu ermöglichen. Dort hing auch der erste Adventskranz im Jahr 1839: Wichern ließ im Rauhen Haus Leuchter mit 23 Kerzen aufstellen, die die Tage bis Weihnachten erhellen sollten.

Von den 23 sind heute noch die 4 Lichter geblieben. Eines für jeden Sonntag im Advent. Die Idee: Sonntags ist der Tag, an dem ich zur Ruhe kommen kann. Dann zünde ich ein Licht an, das für mich scheint. Um mir die Zeit des Wartens zu symbolisieren. Um Licht zu haben im Dunkeln. Auch, wenn es eine dunkle Jahreszeit ist, ist die Adventszeit doch eine helle Zeit. Erleuchtet durch die vielen Kerzen, durch die Lichterbögen in den Fenstern und die Lichterketten in den Einkaufsstraßen.

Mit den Kindern singen wir in der Schule in dieser Zeit ein Lied, um das Licht in unsere Klassenzimmer zu holen: Mir ist ein Licht aufgegangen, auf meinem Weg ein heller Schein. Mir ist ein Licht aufgegangen, Gott sagt: Ich werde bei dir sein. Die Kinder singen es mit Begeisterung. In der Reliklasse machen wir dazu einen kleinen Lichtertanz mit Kerzen. Wir drehen uns im Kreis, jeder mit seiner Kerze. Und ein Mädchen meint: „Weißt du, Frau Mantowsky, es ist ja viel besser, wenn wir das alle zusammen machen. Weil eine Kerze allein macht es ja nicht so hell.“

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