Fest der Liebe

Weihnachten ist die Zeit der Liebe. In den Fernsehwerbungen sehe ich glückliche Familien in tollen Kleidern um den Festtagstisch sitzen. Alle sehen fröhlich aus, keiner streitet, nicht mal eine gerunzelte Stirn. Bei „Kevin allein in New York“ finden sie sich am Ende alle wieder und lieben sich um so mehr. Ja, so wünschen wir uns das alle. Eine heile Welt. Alles ist in Ordnung. Liebe wohin man blickt, alles Freude und Harmonie.

Ich vermisse da manchmal die alleinerziehende Mama mit ihren Kindern an Weihnachten. Den Streit, der oft gerade in der angespannten Gute-Laune-Stimmung entfacht. Die Tränen unterm Baum, weil ein wichtiger Mensch nicht mehr mitfeiern kann. Darüber redet niemand, obwohl das ganz besonders dazugehört, wenn Weihnachten tatsächlich ein Fest der Liebe ist.

Ich wünsche sie mir auch, die heile Welt. Und vielleicht sehnen sich viele in den Weihnachtstagen ganz besonders danach. Diese Zeit drückt die Sehnsucht nach Ganzheit aus: Alles ist gut. Das soll mir das Weihnachtsfest sagen. Vielleicht, weil es eine Botschaft ist, die ich unbedingt brauche. Einmal im Jahr das Gefühl zu haben, dass alles gut ist.

Wie also Weihnachten feiern, wenn es nicht so ist? Wie soll ich diese Tage überstehen, wenn nicht alles gut ist? Wenn ich sie eigentlich  unter der Bettdecke verbringen will, damit alles möglichst schnell vorbeigeht. Weil sie mir zuviel werden und ich das Bild von der heilen Welt kaum aushalten kann.

Vielleicht kann Weihnachten dann für mich nicht mehr sein als eine Botschaft von der Hoffnung, dass es so werden kann. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. So anstrengend diese Tage auch sind, sie können mir Licht am Horizont werden. Weihnachten ist das Fest der Liebe und der Freude. Gott liebt die Welt. Er hat die Hoffnung nicht aufgegeben. Das Bild der Hoffnung ist kein Man of Steel, sondern ein Baby, das im Stroh liegt. Verwundbar, genau wie ich. Und es wird groß und lebt und sieht vom Leben Dinge, die ich auch sehe: Freude, Trauer, Schmerzen, Liebe und Tod.

Vielleicht ist das dann für mich die Botschaft von Weihnachten: Gott kommt nicht unverwundbar oder in einem Palast zur Welt. Alles was da ist, ist die Liebe zweier Menschen für ein Kind. Und die Hoffnung vieler, dass die Liebe reicht um eine ganze Welt zu verändern.

Jetzt ist nicht alles gut. Aber vielleicht kann es das werden. Noch. Wieder. Weihnachten – Fest der Liebe. Nicht mehr, aber auch nicht weniger.

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