Das Leben ist eine Krims-Kiste

Heute haben wir mal wieder aufgeräumt. Ich habe das Gefühl, dass man das in einer 2-Zimmer-Wohnung ständig tun muss. Vor allem mit einer Mitbewohnerin wie mir, die Dinge liegen, stehen, fallen lässt, wo sie gerade vorbeikommt. Am schlimmsten sieht immer mein Schreibtisch aus. Chaos pur. Aber das Tolle am Aufräumen ist ja, dass ich dabei häufig solche „Ach-das-habe-ich-ja-auch-noch-Momente“ erlebe. Ich finde irgendwas, das ich völlig vergessen hatte. Ich habe es gar nicht vermisst und dann frage ich mich immer, warum eigentlich nicht. Denn das hätte ich sicherlich vermissen müssen.

Heute habe ich meine Krims-Kiste gefunden. Ich bin mir nichtmal sicher, ob es dieses Wort offiziell gibt. Im Duden steht es jedenfalls nicht. Sie war unter Zetteln, Transparentpapierresten und Tier-Memorys verborgen. Alles, was man für die Grundschule eben so braucht. Es gibt ja Menschen, die der Ansicht sind, man bräuchte keine Krims-Kisten. Wo all die Dinge landen, die keinen richtigen Platz haben. Von denen man nicht genau weiß, wohin sie gehören, aber die man auch nicht einfach in den Mülleimer werfen kann. Ich bin da völlig anderer Meinung. Solche Kisten, Schubladen oder Schächtelchen sind toll. Wenn auch nur für den einen, der sie besitzt.

Ich habe einen Katzen-Sticker gefunden, der ist noch von einem Brief meiner Grundschulfreundin. So einer mit Fell. Ich könnte noch genau sagen, wie alt ich war, als ich den Brief bekommen habe. Und was drinnen stand. Eine Glitzerhaarspange, die ich mal an Karneval getragen habe. Und auch daran kann ich mich noch gut erinnern. Ein Busticket aus Köln. Ein einzelner Pferdeohring. Den habe ich mal bekommen als ich 11 war.

Eigentlich wollte ich ja aufräumen, aber dann habe ich mich mitten in dieser Krims-Kiste voller Erinnerungen wiedergefunden. Das war toll. Mir im Alltagsstress mal Zeit zum Erinnern nehmen. Und nochmal schmunzeln über die Erlebnisse mit der Haarspange. Den Pferdeohring anziehen und mich wie mit 11 fühlen. Deswegen die Krims-Kiste. Weil jeder Mensch Erinnerungen braucht. Daraus besteht das Leben. Zumindest der Teil, der zurückliegt. Der mich antreibt und mich daran erinnert, wer ich bin und warum. Vielleicht geht das auch ohne Krims-Kiste. Vielleicht braucht man keine Dinge, um sich zu erinnern. Manchmal braucht man sie aber schon. Vieles verschwimmt, wenn immer mehr Erinnerungen dazu kommen. An den Katzensticker und den Brief mit der Geheimsprache für unsere Mädchenbande hätte ich mich so jedenfalls heute nicht erinnert.

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