Und du glaubst nicht an Wunder?

Ab und zu gibt es Mal so einen Moment, wo alles in Zeitlupe zu laufen scheint. Einen Moment, in dem die Dinge ganz klar sind. In dem ich begreifen kann. Und dann kann ich nicht anders: Ich staune. Das ist etwas, was ich mir von den Kindern in der Grundschule abgucken kann. Staunen. Mund auf. Ohren auf. Augen auf. Wahnsinn.

Heute morgen kam ein Mädchen vor der Stunde ganz aufgeregt zu mir. Sie zupft an meiner Strickjacke: „Frau Mantowsky, Frau Mantowsky, weißt du waaaas?“ In ihrem Gesicht steht eine ungeheure Aufregung geschrieben. Sie blitzt geradezu aus ihren Augen. „Es hat heute Nacht geschneit, es hat geschneit. Ist das nicht toll? Als ich aufgewacht bin hat es geschneit.“ Dabei zappelt sie hin und her und weiß gar nicht, wohin mit all ihrer Freude.

Ist das nicht schön, wie Kinder staunen können? Über solche kleinen Dinge. Als ich heute Morgen zum Auto gegangen bin, war ich ehrlich gesagt nur genervt vom Schnee und Eis , weil ich erstmal zwei Minuten die Lüftung laufen lassen musste, bis ich loskam. Ins Staunen bin ich nicht gerade gekommen. Und darüber habe ich mich dann wirklich geärgert. Mein Tag hätte so viel schöner angefangen, wenn ich auch mal gestaunt hätte.

Staunen ist nicht nur was für Kinder. Das ist auch was für uns, die manchmal schon echt erwachsen sind. Denn Staunen ist toll. Es macht mich offen für die Welt mit ihren vielen kleinen Wundern. Es gibt eine Postkarte, die versammelt so ein Wunder der Welt in ganz kleinen Bildern: Ein Schmetterlings-Alphabet. Der norwegische Fotograf Kjell B. Sandved hat fast ein Vierteljahrhundert lang Schmetterlingsflügel fotografiert und etwas wunder-volles festgehalten: Unser gesamtes Alphabet findet sich auf den Flügeln von Schmetterlingen. Zufall? Vielleicht. Aber ein Wunder ist es doch. Etwas zum Staunen.

Wir leben auf einer Welt, inmitten eines unendlichen Universums. Allein die Tatsache, dass es nicht nichts gibt, ist schon ein Staunen wert. Also versuche ich es morgen nochmal neu. Vielleicht finde etwas, worüber ich staunen kann. Dass ich morgen aufwache und atme. Dass es hell wird und dunkel. Dass ich mit meinen Freunden in Hamburg oder Münster reden kann, obwohl wir so weit entfernt sind. Du glaubst nicht an Wunder? Dann versuch’s erstmal mit Staunen.

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