#nichtschön

Viele haben mittlerweile den Youtube-Clip „Ich bin #nichtschön“ gesehen. Frauen in schwarz-weiß vor der Kamera, die sagen was sie alles sind: awesome, begeisterungsfähig, anders – aber nicht schön. Warum muss alles immer schön sein? fragt das Video in fetten weißen Buchstaben. Selbst hässlich sein muss schön sein. Die Frauen, die vor der Kamera stehen, sind aber alle genau das: Sie sind schön. Auch wenn sie Fratzen ziehen, um zu zeigen, dass auch sie hässlich sein können.

Die Idee ist toll. Zu sagen: Lasst uns nicht alles auf die äußere Schönheit reduzieren. Niemand sieht immer super aus. Bad-Hair-Day und Pickel kennen ja doch die meisten. Aber irgendwie reduziert das Video dann doch wieder alles nur aufs Äußere. Und reduziert alles auf zwei Kategorien: schön und hässlich. Das ist mir zu schwarz-weiß gedacht. Zu oberflächlich und dabei will das Video gerade gegen Oberflächlichkeit angehen.

Ist Schönheit nur das Außen? Klar, man kann sie messen. Schönheit heißt Symmetrie, es gibt ein „Schönheitsmaß“, das definiert, welche Menschen für uns als schön gelten und welche nicht. Aber das kann doch nicht alles sein. Sollten die Frauen in dem Video nicht vielmehr zuerst sagen: Ich bin schön… Und dann der Rest. Ich bin schön, weil ich anders bin. Ich bin schön, weil ich begeisterungsfähig bin.

Ich wünsche mir, dass alle Menschen von sich selbst sagen können: Ich bin schön. Nicht, weil ich perfekte Zähne habe oder meine Augen im gleichen Abstand zueinander stehen. Das ist nunmal das Glück der symmetrisch-Geborenen. Ich bin schön, weil ich besonders bin. Weil ich Mut habe. Weil ich immer ehrlich bin.

Spannend ist, dass es zum Beispiel im Hebräischen keinen eigenen Wortstamm für das Wort Schönheit gibt. Sie lässt sich nur durch verschiedene Beschreibungen ausdrücken. Das hilft mir im Nachdenken über Schönheit weiter. Sie ist nicht Symmetrie, nicht Konfektionsgröße und Perfektion. Schönheit ist das, was mich in vielen Dingen ausmacht. Wie ich meine Freunde in den Arm nehme. Wie ich Tränen lache. Wie ich jemandem den Kopf wasche. Und deswegen sage ich heute nicht: Ich bin nicht schön. Sondern vielmehr: Ich bin schön, ganz oft.

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